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BANNER - Jüdische Grabstätten

Einleitung

 Der neue Friedhof.

Dieser Friedhof wurde im Jahr 1889 angelegt. Bis dahin wurden die Toten der Gemeinde auf dem Verbandsfriedhof in Obergrombach bestattet. Die Entfernung von Philippsburg nach dort betrug, in der damaligen Zeit 4 Stunden. Der Weg zu diesem Verbandsfriedhof ist zudem, namentlich von Untergrombach aus ein äußerst beschwerlicher, besonders im Winter. Eine würdige Beerdigung war oft nicht möglich, da wegen dieser großen Entfernung oftmals geboten war, dass die Leiche noch vor Tagesbeginn im Dunkel der Nacht von hier aus befördert werden musste. Zu all den misslichen Umständen traten dann noch die erschwerenden gesetzlichen Bestimmungen über „Leichentransport“. Die Anlegung eines eigenen Friedhofes gestaltete sich somit zur dringenden Forderung.
Viele Gemeinden, welche zu dem Verbandsfriedhof gehörten, haben im Laufe der Jahre aus gleichen Gründen sich von Obergrombach gelöst und eigene Begräbnisstätten errichtet.
In hiesiger Gemeinde wie auch in anderen Gemeinden galt es Widerstände zu überwinden. Zunächst war es eine hoch zu würdigende Pietät gegen die Verstorbenen, welche das Verlangen erweckte an der Seite ihrer Anverwandten einst beerdigt zu werden, ferner der Aberglaube ein neuer Friedhof fordere mehr Opfer aus dem Kreise der Lebenden.
Während in Philippsburg all diese Bedenken zurücktraten im Hinblick auf die großen Beschwerden eines Leichentransportes nach dem Verbandsfriedhof Obergrombach, so waren diese Bedenken für die Nachbargemeinden Graben und Liedolsheim entscheidend.
Mit beiden Gemeinden wurden Unterhandlungen geführt zwecks Errichtung eines gemeinsamen Friedhofes. Eine Einigung konnte nicht erreicht werden. Dabei war man bei der Anlage des Friedhofes bestrebt, einen Mittelpunkt zu wählen, damit der Anschluss dieser beiden Gemeinden jederzeit möglich wäre.

Als wegen eines geeigneten Geländes die Israelitische Gemeinde Philippsburg sich am 6. August 1888 durch den Synagogenrat, in der Person von Hermann Löb und Kusel Löb, zwecks Anlegung eines eigenen Friedhofes an das Hochwohllöbliche Bürgermeisteramt Huttenheim“ die Bitte richtet auf einem von der politischen Gemeinde Philippsburg ihr zugewiesenen und in der Huttenheimer Gemarkung liegenden Acker die „gütigste Bewilligung der löbl. Gemeinde in Huttenheim ergebenst erbaten“ löste das zunächst eine heftige Reaktionen des damaligen Bürgermeisters Schmitt und des Bürgerausschusses aus, sie lehnten das Gesuch ab. Es gab noch eifrigen Schriftwechsel zwischen dem Bezirksamt Bruchsal und der Gemeinde Huttenheim, bis die ganze Sache dem Bezirksamt zu bunt wurde und mit Schreiben v. 25. Januar 1889 dem ganzen hin und her ein Ende machte.

Dem Gemeinderat Huttenheim wird auf die Vorstellung vom 23. Januar 1889 erwidert:„Die Gründe, welche auf eine, wie es scheint, in Huttenheim vorhandene Abneigung gegen die Israeliten sich stützen, können wir selbstverständlich nicht weiter in Betracht ziehen, da diese, so lange sie leben, die gleichen staatsbürgerlichen Rechte besitzen wie die Bürger der christlichen Bekenntnisse, sonach auch nach ihrem Ableben irgendwo eine würdige Ruhestätte finden müssen.
Es scheint übrigens über die Lage des zum israelitischen Friedhof ausersehenen Platzes eine Irrung bei den dortigen Bürgern
zu bestehen. Dieser Platz liegt nämlich nach vorgelegtem Lageplan hinter dem Staatswald Molzau (von Huttenheim aus gesehen) also keineswegs in der Mitte sondern vielmehr an dem einen Ende der Gemarkung Huttenheim gegen die Engelsmühle zu, von allen Wohngebäuden weit entfernt. Es kann also gegen die Auswahl des Platzes auch vom gesundheitlichen Standpunkt aus keine begründete Einwendung erhoben werden.
Diese Berichtigung wird wohl geeignet sein, die Abneigung gegen die Errichtung des Friedhofs, welche wir aber wie oben angedeutet nicht als gerechtfertigt anzuerkennen vermögen, zu beschwichtigen“.
Damit erhielt die israelitische Gemeinde Philippsburg die staatspolizeiliche Genehmigung, auf dem von der politischen Gemeinde Philippsburg ihr zu diesem Zweck überlassenden Gelände „im Sand auf den Wall“ Gemarkung Huttenheim einen Friedhof im Umfang von 18 Ar zu errichten, für dessen Einfassung und Einrichtung § 10 der Verordnung vom 20. Juli 1882 maßgebend ist. Die Wiedereröffnung der Angelegten Gräber ist nach Ablauf von 15 Jahren zulässig“.
Gleichzeitig wurde dem Gemeinderat Huttenheim mitgeteilt, dass Josef Seiter von Philippsburg als Totengräber für den neu zu errichtenden israelitischen Friedhof von dem Synagogenrat Philippsburg ernannt worden ist.

Die Einweihung des neuen Friedhofes
Die Einweihung des Friedhofes fand am Donnerstag den 29. Mai 1889 unter großer Beteiligung statt. In der Synagoge wurde Gottesdienst gehalten. Als Vorbeter funktionierte Lehrer H. Friedmann von Hockenheim. Die religiöse Einweihung auf dem Friedhof vollzog Bezirksrabbiner Dr. Josef Eschelbacher aus Bruchsal.

Die politische Gemeinde Philippsburg war vertreten durch den Bürgermeister und Landtagsabgeordneten Hieronymus Nopp, welcher nach den Worten des Herrn Bezirksrabbiners das Wort ergriff, als Zeichen des religiösen Friedens in hiesiger Gemeinde. Die politische Gemeinde Philippsburg zeigte der Anlage des Friedhofes größtes Entgegenkommen durch Überweisung des Platzes gegen ein geringes Entgelt, das in Ermessen der jüdischen Gemeinde gestellt wurde.
Am 11. Mai 1890 wurde der Friedhof das erste Mal seinem ernsten Zwecke bestimmend benutzt. Moses Löb war der Erste, der hier seine Ruhestätte finden sollte. Als Letzter fand der israelitische Religionslehrer Moritz Neuburger, der im israelitischen Altersheim Heidelberg am 8. März 1954 starb, auf persönlichen Wunsch seine letzte Ruhe in Philippsburg.
Der israelitische Friedhof in Philippsburg ist in seiner Anlage kein architektonisches Meisterwerk. Eine Buchenhecke umschließt das langgesteckte Bauwerk allseitig. Als Eingang dient ein eisernes, zweiflügeliges Tor aus Eisen mit Maschendrahtfüllung. Auf diesem Begräbnisplatz, so will es der jüdische Glaube, sollen die Gräber so lange bestehen bleiben, bis sie in der Natur aufgehen. Die Ruhe der Toten darf nicht gestört werden. Dem Besucher bietet der Friedhof die Besonderheit, dass die Grabsteine zwar in Reihen, jedoch mit Abständen angeordnet sind. Dies deutet daraufhin, dass  man Platz für die nachkommenden Familienmitglieder reserviert hat. Die Orientierung der Gräber ist nach Misrach (Osten) ausgerichtet. Insgesamt stehen auf der Grabanlage 47 Grabsteine. Die Grabsteine tragen im oberen Teil Inschriften auf Hebräisch und Deutsch im unteren Feld, die der assimilierten Juden nur in deutscher Sprache. Der Zahn der Zeit hat den meisten Grabsteinen so zugesetzt, dass viele Inschriften verwittert sind.

Auf 2 Grabstätten stehen keine Grabsteine. Es handelt sich hierbei um die Gräber Nr. 48 u. 49. Der Friedhof diente auch Juden aus Oberhausen als Begräbnisstätte.

Es gibt in Philippsburg nicht viele Symbole auf den Grabsteinen. Neben den segnenden Händen der Kohanim als Symbol für den Kohen (siehe Grab Nr. 14 Kahn) findet sich vereinzelt der Davidstern

Der nationalsozialistische Minister des Innern in Karlsruhe ordnete am19. September 1941 „nachdem der hiesige Landkreis nahezu Judenfrei ist“ die Schließung des Judenfriedhofes in Philippsburg an.

Der Friedhof nach 1945
Am 13. November 1945, also recht kurze Zeit nach dem 2. Weltkrieg, teilte der Landrat dem neu eingesetzten Philippsburger Bürgermeister Erwin Hans mit, dass es wohl eine seiner vornehmsten Aufgabe in seinem neuen Amt sein wird den jüdischen Friedhof in Philippsburg in Ordnung bringen zu lassen.

„Sie wollen die notwendigen Schritte ergreifen, dass der von den Nazi-Lumpen zerstörte und entweihte jüdische Friedhof in Philippsburg sobald wie möglich in annehmbaren Zustand gebracht wird. Sie werden besonders hervorgetretene Nazis auswählen, die während ihrer freien Zeit und an Sonntagen zur Ausführung dieser Aufgabe bestimmen“. Das war leichter gesagt als es getan werden konnte, denn die da gemeinten „Nazis“ saßen entweder in Karlsruhe in Untersuchungshaft oder aber Im Gefängnis in Ludwigsburg. Zudem war Erwin Hans schon der 3. Bürgermeister seit dem 1. April 1945 in Philippsburg. Die Stadt Philippsburg beschrieb, was den Zustand des Friedhofes anbelangt dahin, „dass der Friedhof durch nationalsozialistische Elemente während des Krieges verwüstet wurde. Die Verwüstungen an Grabsteinen und deren Inschriftentafeln haben derartige Ausmaße, dass es schwer sein wird die Grabsteine den Verstorbenen zuzuordnen. Die aus Tannenbäumchen bestehende Einzäunung ist im Winter 1945 einem Brand zum Opfer gefallen. Im Innern des Friedhofes stehen noch einige Zierbäume die Wege sind mit Gras überwachsen“.

Instandsetzung des Friedhofs.
Was in Philippsburg niemand für möglich hielt, dass einer von den 1940 deportierten Philippsburger Juden noch lebt trat 1946 ein. Moritz Neuburger, der ehemalige israelitische Religionslehrer, hat den Holocaust überlebt und wohnt derzeit in einem jüdischen Altersheim in Lourdes. In einem Schreiben vom 9. Mai 1946 an die Stadtverwaltung Philippsburg bittet er um eine Bestätigung, dass er Jude ist und 1940 aus Philippsburg abtransportiert wurde. Die Stadtverwaltung hat Herrn Neuburger die gewünschte Bescheinigung ausgestellt und bat ihn gleichzeitig ob er denn bereit wäre bei der Wiederherstellung des jüdischen Friedhofes sein fundiertes Wissen zur Verfügung zu stellen.

Herr Neuburger schreibt daraufhin am 23.06.1947 an die Stadtverwaltung Philippsburg „… ich bin gerne bereit Ihnen bei Ihrem Bestreben behilflich zu sein den Israel. Friedhof instand setzen zu lassen. Nur sollten es diejenigen Zahlen müssen, welche dies rohe Werk „die Grabesruhe zu stören“ vollbracht haben. Ich achte Ihr Vorhaben, jedoch könnte dieser Schandfleck „Deutscher Kultur“ liegen bleiben und der Zukunft künden “So hausten die Vandalen, die Nazis!“ Ich habe in der Zeitung gelesen, dass diese sich noch nicht gebessert haben. Ich weiß wohl, dass ich der Einzige bin, der Ihnen behilflich sein kann. Ich habe sämtliche dorten Ruhenden beerdigt und alle Grabinschriften gefertigt …“.

Mit dieser Zusage begann ein reger Schriftwechsel mit dem Ergebnis, dass Lehrer Moritz Neuburger, Skizzen anfertigte, nach denen der hiesige Steinmetz Oskar Zieger die Grabsteine und Inschriften wiederherstellen und die umgeworfenen Steine von der Firma Gustav Vetter wieder aufgestellt werden konnten.

Schändung des jüdischen Friedhofs in Philippsburg.

Judenfriedhof geschändet (1917)
Bereits im Dezember 1917 wurde gegen Jugendliche aus Wiesental wegen Sachbeschädigung im jüdischen Friedhof Philippsburg ermittelt. Da es zweifelhaft war ob die beschuldigten sehr jungen Burschen, soweit sie das 12. Lebensjahr überschritten haben, sich der von ihnen begangenen Taten bewusst war, wurde das Verfahren von der Staatsanwaltschaft eingestellt. Jedoch wurde eine empfindliche Strafe durch das Großh. Bezirksamt bzw. das Schulamt veranlasst.

Hitlerjugend schändet jüd. Friedhof 1938
Nicht nur die Synagoge in Philippsburg wurde angezündet und Fensterscheiben an jüdischen Geschäften eingeschlagen auch wurde durch einen Stoßtrupp der Hitlerjugend (HJ)-Bruchsal die Grabsteine auf dem jüdischen Friedhof umgeworfen.

Judenfriedhof geschändet (1953)
Bei seinem letzten Besuch des jüdischen Friedhofs in Philippsburg im Mai 1953 musste Moritz Neuburger feststellen, dass 20 Grabsteine umgeworfen wurden. In seinem Schreiben an den Bürgermeister Odenwald bemerkt er, dass es wohl dieses Mal kein Akt ist welcher von einer Behörde befohlen wurde, sondern als eine rohe Tat einer verrohten Jugend und zwar aus den Nachbarorten Wiesental und Huttenheim gewesen ist und er aus diesem Grund darum bittet ihn bei der Ermittlung der Täter zu unterstützen

Judenfriedhof geschändet (1973)
Mit Schreiben v. 19.03.1973 teilt der Oberrat der Israeliten der Stadtverwaltung Philippsburg mit, dass bei der Besichtigung des Friedhofes am 19.03.1973 der Grabstein des Moritz Gutmann, gest. 09.03.1892, gewaltsam aus der Verdübelung gerissen um liegt und alsbald wiederaufgerichtet und befestigt werden soll

Judenfriedhof geschändet (2002)
Den jüdischen Friedhof haben bislang noch unbekannte Täter über die Weihnachtsfeiertage geschändet. Ein städtischer Bediensteter entdeckte laut Polizeibericht gestern Morgen, dass auf dem Friedhof insgesamt acht Grabsteine umgeworfen und weitere 15 auf der Vorder- und Rückseite mit blauen Hakenkreuzen und einschlägigen Symbolen besprüht worden waren.

Schndung 2002

Das Dezernat Staatsschutz des Polizeipräsidiums Karlsruhe hat die Ermittlungen wegen Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen und Störung der Totenruhe aufgenommen. Wer seit Dienstag, 24. Dezember, verdächtige Beobachtungen in der Nähe des am Waldrand gelegenen Friedhofs gemacht hat wird gebeten sich unter Telefonnummer ----- zu melden.

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